Massive Proteste erschüttern Irans Hauptstadt Teheran, während die Wirtschaftskrise die Bevölkerung zunehmend belastet. Am 29. Dezember 2025 haben in mehreren Geschäftsvierteln Hunderte von Menschen, darunter viele Ladenbesitzer, ihre Geschäfte geschlossen und zur Teilnahme an den Protesten aufgerufen. Diese Unruhen wurden durch einen dramatischen Rückgang der Landeswährung Rial auf ein Rekordtief ausgelöst. Der Kurs des US-Dollars fiel auf etwa 1,42 Millionen Rial – ein drastischer Anstieg im Vergleich zu rund 820.000 Rial vor einem Jahr, was eine Krise ohnegleichen darstellt. Die Inflation hat astronomische Ausmaße erreicht, alltägliche Einkäufe sind unerschwinglich geworden. Viele junge Iraner sind gezwungen, wieder bei ihren Eltern einzuziehen, da steigende Mieten sie finanziell überfordern.

Die Proteste, die zunächst wirtschaftliche Forderungen beinhalteten, entwickelten sich rasch zu politischen Äußerungen. Demonstranten riefen Parolen wie „Tod dem Diktator“ und forderten sogar die Rückkehr zur Monarchie. Diese Wendung sorgte für Besorgnis bei den Sicherheitskräften, die den zentralen Campus der Universität umzingelten und mehrere protestierende Studenten verhafteten. Laut der Hochschulzeitung „Amir‐Kabir“ waren die Studenten auf dem Campus eingeschlossen, als die Unruhen weiter eskalierten.

Reaktionen der Regierung

Präsident Massud Peseschkian hat in Reaktion auf die Proteste Verständnis für die Anliegen der Händler gezeigt und versichert, dass er die Themen ernst nehme. Er habe das Innenministerium angewiesen, mit den Geschäftsinhabern zu sprechen, um gemeinsam Lösungen zu finden. Trotz dieser Zusicherungen richten sich die Vorwürfe vieler Demonstranten auch gegen ihn, da sie ihn beschuldigen, staatliche Mittel für bewaffnete Gruppen auszugeben. Politische Repression, die Verhaftung von Protestierenden und der Einsatz von Tränengas durch die Polizei ließen den Unmut der Bevölkerung weiter wachsen.

Die staatlich kontrollierte Presse berichtete über die Proteste, vermied jedoch, die heftigen politischen Parolen zu thematisieren. Stattdessen wurde das Narrativ einer ausländischen Verschwörung propagiert, die angeblich Unruhe im Land stiften wolle. „Die Öffentlichkeit sollte wachsam sein und sich nicht an den Protesten beteiligen“, so die offizielle Stellungnahme der Sicherheitsorgane.

Internationale Dimensionen

Die Krise ist nicht nur auf interne wirtschaftliche Probleme zurückzuführen, sondern auch auf internationale Sanktionen wegen des umstrittenen Atomprogramms Irans. Diese Sanktionen haben den Ölexport, die wichtigste Einnahmequelle des Landes, stark beeinträchtigt und zu einem Handelsstillstand geführt. Als Resultat davon steht die iranische Wirtschaft am Rande des Kollapses und Experten bezeichnen die gegenwärtige Krise als die schwerste in der Geschichte des Iran.

Zusätzlich wird berichtet, dass der israelische Geheimdienst Mossad in einer Mitteilung auf Persisch die Protestierenden ermutigt hat, was die Spannungen weiter anheizt. Außenminister Abbas Araghtschi hat die internationalen Sanktionen als „Problem, aber auch als Segen für das Volk“ bezeichnet, was von vielen Kritikern als zynisch wahrgenommen wurde, da sie Armut nicht als Segen empfinden.

Die Lage bleibt angespannt, doch die Bereitschaft der Regierung zur Dialogbereitschaft könnte ein erster Schritt in die richtige Richtung sein. Die Ereignisse in den letzten Tagen zeigen jedoch die Dringlichkeit und Komplexität der aktuellen Situation im Iran, in der Wut auf die politischen Entscheidungsträger und die untenliegende wirtschaftliche Verzweiflung zusammentreffen.