Gianna Jessen, geboren 1977, ist ein lebendes Beispiel für den emotionalen und ethischen Konflikt, der Abtreibung umgibt. Im 7. Schwangerschaftsmonat sollte sie durch eine Salzlösung abgetrieben werden, überlebte jedoch diese traumatische Erfahrung und wurde lebend in einer Abtreibungsklinik in den USA geboren. Dank einer aufmerksamen Krankenschwester, die entdeckte, dass das Baby am Leben war, erhielt Jessen eine zweite Chance im Leben, nicht ohne bleibende Folgen: Sie leidet an infantiler Zerebralparese. Trotz dieser Herausforderung hat sie bemerkenswerte Leistungen vollbracht, darunter die Teilnahme an zwei Marathons.
Heute setzt Jessen sich als prolife Aktivistin leidenschaftlich für den Lebensschutz ein. Ihre Geschichte hat sie bereits vor dem US-Kongress und dem britischen Unterhaus geteilt, wo ihre Worte und Erfahrungen Gehör fanden. Im Jahr 2002 erwähnte der damalige US-Präsident George W. Bush sie bei der Unterzeichnung des „Born-Alive Infants Protection Act“, einem Gesetz, das den Schutz lebend geborener Babys nach einer Abtreibung sicherstellt. Es legt fest, dass jedes nach der Geburt lebende Baby, unabhängig von den Umständen der Geburt, als Person anerkannt wird.
Rechtlicher Rahmen und Bedeutung des Gesetzes
Das „Born-Alive Infants Protection Act“ wurde im Juli 2000 eingeführt und im August 2002 gesetzlich verankert. Es war das erste pro-life Gesetz, das unter Senate Majority Leader Tom Daschle im Senat verabschiedet wurde. Der Gesetzentwurf wurde mit überwältigender Mehrheit im Repräsentantenhaus angenommen und erhielt im Senat Zustimmung durch ein ungeschriebenes Einvernehmen. Kritiker der Maßnahme, insbesondere Organisationen, die sich für das Recht auf Abtreibung starkmachen, argumentieren, dass das Gesetz unnötig sei und die bestehenden Schutzmechanismen für Neugeborene bereits effektiv funktionierten. Dennoch festigt das Gesetz die Rechte von Kindern, die lebend geboren werden, unabhängig von der Absicht der Eltern.
Vor diesem rechtlichen Hintergrund stehen oft medizinische Berichte, wie die von Nurse Jill Stanek, die auf Missstände bei „live-birth abortions“ hinweist, bei denen lebend geborene Babys nicht die erforderliche medizinische Versorgung erhielten. Der rechtliche und ethische Diskurs über die Rechte von neugeborenen Kindern, die nach erfolgten Abtreibungsversuchen überleben, bleibt intensiv umstritten und wird von der Lebensrechtsbewegung vorangetrieben.
Die Lebensrechtsbewegung
Die Lebensrechtsbewegung, die in den 1970er Jahren in den USA entstand, hat sich nicht nur gegen Schwangerschaftsabbrüche ausgesprochen, sondern auch gegen viele damit verbundene Themen wie Sterbehilfe, Klonen und bestimmte biotechnologische Praktiken. Die Bewegung hat sich im Laufe der Jahrzehnte verbreitet und umfasst nun auch zahlreiche Organisationen, sowohl religiöse als auch nicht-religiöse, die sich für den Schutz des menschlichen Lebens einsetzen. Der Begriff „Pro-life“ wurde erstmals in den 1970er Jahren verwendet und hat seither weltweit an Aufmerksamkeit gewonnen.
Ein zentraler Punkt der Argumentation der Lebensrechtsaktivisten ist die Überzeugung, dass das menschliche Leben mit der Befruchtung beginnt. Schwangerschaftsabbrüche werden als Tötung eines menschenähnlichen Wesens im frühen Entwicklungsstadium angesehen. Diese Perspektive ist auch der Ausgangspunkt ihrer Ablehnung von Verhütungsmitteln, die die Einnistung einer befruchteten Eizelle verhindern könnten. Während die Bewegung in den USA gewachsen ist und Millionen von Anhängern hat, gibt es auch in anderen Ländern, wie Deutschland, aktive Lebensrechtsgruppen, die sich gegen die Legalisierung von Abtreibungen engagieren.
Insgesamt bleibt das Thema Abtreibung und der damit verbundene Kampf um die Rechte von ungeborenen und neugeborenen Kindern ein zentrales gesellschaftliches und politisches Streitfeld, in dem die Stimmen von Überlebenden wie Gianna Jessen eine gewichtige Rolle spielen.