Am 18. Dezember 2025 ist der bedeutende österreichische Künstler Arnulf Rainer verstorben. Rainer, der 1929 in Baden bei Wien geboren wurde, gilt als einer der herausragendsten Vertreter der Kunst, die aus dem Informel hervorgeht. Sein umfangreiches Werk stellt einen ikonischen Beitrag zur österreichischen und internationalen Kunst nach 1945 dar. Nach seinem Tod äußerte Stella Rollig, Generaldirektorin des Belvedere, Bestürzung und sprach der Familie ihr Beileid aus. Rainer wird oft als Solitär in der österreichischen Kunst beschrieben, dessen wahre Bedeutung möglicherweise erst in Zukunft vollständig erkannt wird ots.at.
Rainer war bis zuletzt auf der „Kunstkompass“-Liste der international beachteten zeitgenössischen Künstler vertreten. Sein Einfluss und seine Innovationskraft machten ihn zu einer Schlüsselfigur der Kunstszene. Bereits seit Mitte Oktober 2025 fand im Arnulf Rainer Museum in Baden die Ausstellung „Arnulf Rainer & Art Brut“ statt, die die Verknüpfungen zwischen Rainers Arbeiten und der Art Brut in den Mittelpunkt stellte. Gezeigt wurden unter anderem Hand-, Finger- und Fußmalerei von Rainer sowie Gemeinschaftszeichnungen mit Fritz Koller und Johann Hauser. Ein umfassender Teil der Sammlung Navratil war ebenfalls Teil der Ausstellung orf.at.
Ein Leben für die Kunst
Rainer verbrachte seine formative Jahre in einer Zeit, in der die Kunstszene im Umbruch war. 1940 bis 1944 besuchte er die Nationalpolitische Erziehungsanstalt in Traiskirchen, verließ diese jedoch aufgrund von Konflikten mit einem Lehrer. Die Erfahrungen seiner Jugend prägten ihn nachhaltig, und um einer Einziehung zum Volkssturm zu entkommen, wurde er zu seinen Großeltern nach Kärnten geschickt. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam er erstmals mit zeitgenössischer Kunst in Kontakt, als er Ausstellungen des British Council besuchte.
Sein künstlerischer Werdegang nahm Fahrt auf, als er nach Schulabschluss an der Hochschule für angewandte Kunst und der Akademie für bildende Kunst in Wien studierte. Diese Institutionen verließ er jedoch bald, nachdem seine Arbeiten als entartet bezeichnet wurden. Rainer interessierte sich zunächst für den Surrealismus und reiste nach Paris, um André Breton zu treffen. Seine Enttäuschung über dieses Treffen leitete jedoch eine neue Phase seiner künstlerischen Entfaltung ein – er entdeckte das Informel und wurde von den abstrakten Expressionisten Jackson Pollock und Willem de Kooning stark beeinflusst arnulf-rainer-museum.at.
Radikaler Erneuerer
In den 1950er Jahren entwickelte Rainer seine charakteristischen Übermalungen, die ihm zu großer Bekanntheit verhalfen. Seine Werke verkörpern eine lebendige Auseinandersetzung mit Geschichte und verweisen stets auf die Vergangenheit. Bei einer öffentlichen Übermalung eines Bildes in Wolfsburg wurde er 1961 verurteilt. Trotz dieser Rückschläge lehnte Rainer es ab, sich über die Interpretationen seiner Arbeiten zu äußern und beschrieb seine Übermalungen als aktives Kreativwerden.
Der Durchbruch für Rainer kam Ende der 60er Jahre mit den Serien „Face Farces“ und „Body Poses“, in denen fotografische Selbstporträts als Grundlage für expressiv-gestische Übermalungen dienten. Als Professor an der Akademie der bildenden Künste in Wien, wo er von 1981 bis 1994 lehrte, hat er viele junge Künstler inspiriert und begleitet. Sein Lebenswerk wird nun durch das Arnulf Rainer Museum, das 2009 eröffnet wurde, gewürdigt und ist ein fester Bestandteil der österreichischen Kunstgeschichte.