In Wien sorgt ein Phänomen für Aufregung bei den Passanten: Im Winter steigen Dampfwolken aus den Straßen auf, was Befürchtungen über technische Defekte oder Probleme mit der Wärmeversorgung aufwirft. Laut Christian Call von den Wiener Netzen gibt es jedoch keine unmittelbare Gefährdung. Er erklärt, dass die Dampfwolken verschiedene Ursachen haben können und nicht immer auf ernsthafte Probleme hinweisen. Oft entstehen sie durch feuchtes Erdreich, das bei sinkenden Temperaturen kondensiert. Auch leicht temperiertes Wasser in den Kanälen trägt zur Bildung dieser Dampfwolken bei.
Besonders im Winter zeigt sich ein Anstieg der Dampfwolken, was sich auf die Auslastung des Fernwärmesystems zurückführen lässt. Im Sommer benötigt die Stadt nur etwa ein Zehntel bis ein Zwanzigstel der Wärme, die im Winter gefordert wird. Diese saisonalen Unterschiede bedeuten, dass Schäden, die während Sommerbauarbeiten entstehen, möglicherweise unbemerkt bleiben und erst bei voller Auslastung sichtbar werden. Ein aktuelles Beispiel aus Wien-Simmering verdeutlicht dies: Hier wurde die Wärmeversorgung kurzfristig durch mobile Container gesichert und die Reparaturarbeiten waren nach wenigen Tagen abgeschlossen. Zugleich bleibt die Wärmeversorgung in der Regel über alternative Leitungswege aufrechterhalten.
Technische Unterstützung und Kontakt
Bei Verdacht auf technische Defekte oder Heizstörungen wird den Wiener:innen geraten, die Fernwärme-Hotline unter 0800 500 751 zu kontaktieren. Dies stellt sicher, dass eventuelle Probleme schnell und effizient bearbeitet werden können.
Klimafreundliche Fernwärme für die Zukunft
Der Umstieg auf eine nachhaltige Energiezukunft ist ein weiteres wichtiges Thema in Wien. Bis 2040 plant die Stadt, klimaneutral zu werden, wobei die CO2-neutrale Wärmeversorgung eine Schlüsselrolle spielt. Über 50% des Energieverbrauchs in Wien entfallen auf Wärme, unter anderem für Raumwärme, Warmwasser und Dampferzeugung. Das Fernwärmesystem hat eine 60-jährige Geschichte, mit den ersten Anlagen, die seit 1964 in Betrieb sind. Bereits 1995 versorgte das Fernwärmenetz 350.000 Wohnungen in der Stadt.
Aktuell stammen über die Hälfte der Fernwärme in Wien noch aus fossilen Energieträgern. Um die klimafreundliche Transformation voranzutreiben, sollen bis 2040 55% der Wärmeerzeugung durch Großwärmepumpen und Tiefengeothermie abgedeckt werden. Weitere Wärmequellen sind die Abwärme aus der Industrie, Biomasse, thermische Abfallverwertungsanlagen sowie Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen mit grünem Gas. Ein großangelegtes Fernwärmenetz von 1300 Kilometern, das drittgrößte in Europa, wird dabei eine zentrale Rolle spielen.
Der Einsatz von Großwärmepumpen ist bereits gestartet: Eine solche Anlage in Wien-Simmering versorgt seit März 2019 rund 25.000 Haushalte. Eine weitere Großwärmepumpe in Planung soll mehr als 100.000 Haushalte versorgen. Zudem wird die Tiefengeothermieanlage „deeep“ in Kooperation mit OMV bis 2028 in Betrieb genommen. Zur Unterstützung der Wärmewende wird die Bauordnungsnovelle und verschiedene Förderungen vorangetrieben, während die Initiative „100 Projekte Raus aus Gas“ alternative Heizsysteme fördert.
Ein zentrales Thema bleibt die Speicherung von Wärme, die während des Sommers produziert wird, um den Winterbedarf zu decken. Hierbei wird das Projekt „ScaleUp“ für einen Großwasserwärmespeicher im 22. Wiener Gemeindebezirk anvisiert, um die zukünftigen Anforderungen an die Wärmeversorgung zu erfüllen.
Für weitere Informationen und Neuigkeiten über das Wärmesystem in Wien können Interessierte auf die Berichterstattung von Kosmo, ORF Wien sowie Die Presse zugreifen.