Am 31. Dezember 2025 äußert die Türkische Kulturgemeinde in Österreich (TKG) Besorgnis über die scheinbare religiöse Diskriminierung von Muslimen im Land. Nach der Veröffentlichung des Integrationsbarometers 2025 sieht die TKG die vorherrschenden negativen Wahrnehmungen als gefährlich und spaltend an. Laut der Umfrage, die rund 1.000 Personen befragte, glauben etwa zwei Drittel der Österreicher, dass das Zusammenleben mit Muslimen schlecht oder eher schlecht funktioniert – ein Anstieg von 51 Prozent im Jahr 2015.

Die TKG kritisiert die politische Konstruktion des Integrationsbarometers als gesellschaftlich spaltend. Diese Erhebung wird als Verstoß gegen den § 283 StGB angesehen, der Verhetzung behandelt, und als unzulässig im Sinne der verfassungsrechtlichen Grundsätze. TKG-Generalsekretär Nico Marchetti bezeichnete die Ergebnisse als „unangenehme Wahrheiten“, fordert jedoch die ÖVP auf, pauschalisierende Kampagnen gegen Muslime zu beenden.

Methodische Bedenken und politische Verantwortung

Die TKG weist zudem auf methodische Probleme hin. So könnten die Telefoninterviews zu sozialen Erwünschtheitseffekten führen, was die Validität der Ergebnisse in Frage stellt. Zudem wird die Gleichsetzung von religiöser Zugehörigkeit mit rechtlich definierten Statusgruppen kritisiert. Die TKG fordert die Verwendung von Steuergeldern für unabhängige und wissenschaftlich anerkannte Meinungsforschungsinstitute, um eine faire Erhebung zu gewährleisten.

In einem weiteren Schritt bringt die TKG formelle Beschwerden bei der Gleichbehandlungskommission und ESOMAR ein. Die Organisation betont die Notwendigkeit, Diskriminierung gegen Muslime zu bemerken und die Verantwortung von Politik, Medien und Institutionen zu erkennen.

Zunehmender Rassismus und Diskriminierung in Europa

Die Bedenken der TKG sind nicht nur ein lokales Phänomen. Laut dem Bericht „Being Muslim in the EU“ der FRA zeigt ein Anstieg des antimuslimischen Rassismus insbesondere im Arbeits- und Wohnungsmarkt, dass Muslime in Europa zunehmend Opfer von Diskriminierung und Belästigung werden. In Österreich gaben 71 % der muslimischen Befragten an, rassistische Diskriminierung erfahren zu haben.

Die Umfrage, die zwischen Oktober 2021 und Oktober 2022 durchgeführt wurde, zeigt auf, dass 39 % der Musliminnen und Muslime bei der Arbeitssuche diskriminiert werden und 35 % am Arbeitsplatz betroffen sind. Besonders bald 46 % der muslimischen Befragten mit Behinderungen berichteten von Diskriminierung beim Zugang zu Wohnraum.

Die TKG fordert daher die regelmäßige Veröffentlichung eines unabhängigen Rassismus-Barometers, um der gesellschaftlichen Realität gerecht zu werden. Integration sollte nicht durch kollektive Schuldzuschreibungen an Minderheiten gemessen werden, sondern vielmehr auf der tatsächlichen Teilhabe von Muslimen in der Gesellschaft basieren.

Zum Jahreswechsel wünscht die TKG allen Menschen in Österreich ein gutes Jahr 2026 und appelliert an die Verantwortlichen, gemeinsam für ein respektvolles Miteinander zu arbeiten, in dem ethnische und religiöse Vielfalt als Bereicherung angesehen wird.