Steigende CO₂-Preise im europäischen Emissionshandel (ETS) tragen maßgeblich zu einem Anstieg der Strompreise bei. Diese Entwicklung wird von der Bundesregierung vielfach ignoriert, kritisieren zahlreiche Experten. Der Strompreisindex liegt nach jüngsten Angaben bei 125,12 EUR/MWh, während sich die CO₂-Kosten auf rund 85 Euro pro Tonne erhöht haben, was einem Anstieg von 40% entspricht. Obwohl die Gaspreise im Jänner 2026 um 33,7% gesunken sind und der Gaspreisindex bei 30,39 EUR/MWh liegt, bleibt der Strompreis für Haushalte und Industrie weiterhin exorbitant hoch, berichtet ots.at.
Die hohe CO₂-Belastung belastet nicht nur die Verbraucher, sondern führt auch zu einem erheblichen Rückgang in der Industrie. In den letzten Jahren haben über 36.000 Arbeitsplätze in der europäischen Industrie verloren und jeder 15. Produktionsstandort wurde geschlossen. Dies verschärft die Kritik an der Symbolpolitik der Bundesregierung, die derzeit keinen konkreten Reformvorschlag für das Strompreissystem vorlegt.
Kolossale Ausgaben und sich verschärfende Probleme
Ein weiteres wichtiges Thema ist die EAG-Förderpauschale, die von Stromkunden gezahlt wird, um die Differenz zwischen Börsenpreis und garantierten Preisen für erneuerbare Erzeugungsanlagen auszugleichen. Im Jahr 2024 belaufen sich diese Kosten auf etwa 500 Millionen Euro. Durchschnittliche Haushalte zahlen ca. 47 Euro im Jahr, was die wachsenden Belastungen widerspiegelt.
Probleme mit dem Stromkosten-Ausgleichsgesetz (SAG) haben die Situation zusätzlich erschwert. Die Unklarheiten bei der Verlängerung des Gesetzes und die verspätete Einreichung bei der EU-Kommission sorgen für Unsicherheit. Während andere EU-Länder bis 2030 CO₂-Kostenkompensation bieten, gilt die SAG in Österreich nur für 2025 und 2026.
Der Emissionshandel und seine Auswirkungen
Der EU-Emissionshandel, der derzeit fast die Hälfte aller Treibhausgasemissionen in Europa regelt, ist darauf ausgelegt, eine Reduktion der CO₂-Emissionen um 61% bis 2030 zu erzielen. In den letzten Jahren haben steigende CO₂-Preise zur Beschleunigung des Umbaus des Energiesektors beigetragen. Der Markt für CO₂-Zertifikate hat sich seit 2017 stark verändert. Die Preise sind von unter 5 Euro auf über 100 Euro gestiegen, aktuell liegen sie bei etwa 70 Euro, wie die uamr.de berichtet.
Die bevorstehenden Reformen des EU-Emissionshandels im Jahr 2024 werden das System weiter verändern und unter anderem zu einer Reduzierung kostenloser Zertifikate führen. Auch neue Sektoren, wie der Seeverkehr, werden einbezogen, um die Emissionsreduktionsziele effektiver erreichen zu können. Der Innovationsfonds wird auf 40 Milliarden Euro aufgestockt, um Investitionen in CO₂-arme Technologien zu fördern.
Positive Entwicklungen und Herausforderungen
Trotz der Herausforderungen zeigen aktuelle Berichte eine positive Entwicklung in der Reduktion der CO₂-Emissionen. Im Jahr 2023 sanken die Emissionen im europäischen CO2-Markt um 16,5 Prozent, was durch den Anstieg der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien, insbesondere Wind- und Solarenergie, unterstützt wurde. Kohle wird zunehmend durch Gas ersetzt, wodurch die Emissionen der im Emissionshandel erfassten Anlagen mittlerweile 47,6 Prozent unter dem Niveau von 2005 liegen, wie germany.representation.ec.europa.eu berichtet.
Die EU plant, bis 2030 eine Reduktion von 62 Prozent der CO₂-Emissionen zu erreichen. Damit die EU-ETS-Ziele umgesetzt werden können, sind weitreichende Reformen und Maßnahmen erforderlich, um sowohl die Industrie als auch Haushalte auf einen nachhaltigeren Kurs zu bringen. Die Umsetzung dieser Maßnahmen bleibt jedoch eine große Herausforderung für die EU und die Mitgliedstaaten.