Am 18. November 2025 fand in St. Pölten eine Pressekonferenz statt, in der Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner und Wolfgang Ecker, Präsident der Wirtschaftskammer Niederösterreich, einen Ausblick auf den erwarteten Weihnachtshandel gaben. Die Prognosen zeigen, dass die Ausgaben der Niederösterreicher für Weihnachtsgeschenke in diesem Jahr rund 400 Millionen Euro betragen werden. Ein bemerkenswerter Trend ist, dass 63 Prozent der Bevölkerung planen, ihre Geschenke online zu kaufen, was im Durchschnitt etwa 200 Euro pro Person ausmacht. Mikl-Leitner betonte dabei die Bedeutung des lokalen Kaufs, auch im Internet, um die regionale Wertschöpfung zu sichern.

Die Wettbewerbssituation im Online-Handel wurde von den beiden Rednern als „beinhart“ beschrieben. Dabei wird insbesondere der Rückgang der Kundschaft im stationären Handel thematisiert. So betonte etwa die Buchhandlung Kral in St. Pölten die Wichtigkeit der Vorweihnachtszeit für den stationären Einzelhandel und die Rückkehr der Kunden in die Geschäfte. Bei den beliebtesten Geschenken in Niederösterreich stehen Gutscheine und Bekleidung (jeweils 33 Prozent) an erster Stelle, gefolgt von Spielwaren (29 Prozent), Kosmetika (28 Prozent), Schmuck (23 Prozent), Büchern (22 Prozent) und Genussmitteln (18 Prozent).

EU-Zollreform und ihre Auswirkungen

Ein zentrales Thema der Pressekonferenz war die drohende Veränderung durch die EU-Zollreform, die ab 2026 in Kraft treten soll. Alle Sendungen aus Drittstaaten müssen dann in der EU verzollt, versteuert und kontrolliert werden. Mikl-Leitner forderte eine umfassende Reform der EU-Zollkontrollen, um den Verbraucherschutz zu erhöhen und den europäischen Markt zu stärken. Der Bedarf für diese Reform zeigt sich unter anderem in den Zahlen des Vorjahres, als 4,6 Milliarden Kleinsendungen aus Drittstaaten unter 150 Euro in die EU exportiert wurden, von denen 91 Prozent aus China kamen.

Zusätzlich gab Wolfgang Ecker eine klare Forderung nach einer 2-Euro-Bearbeitungsgebühr für Sendungen aus Drittstaaten bekannt sowie nach klaren Haftungsregelungen für Online-Plattformen. Ziel ist es, einen fairen Wettbewerb zu schaffen, um regionale Betriebe konkurrenzfähig zu halten. Diese Reform wird als die umfassendste Modernisierung der EU-Zollvorschriften seit Einführung des Unionszollkodex (UZK) angesehen. Die EU-Mitgliedstaaten haben bereits im Juni 2025 eine gemeinsame Position zur Reform verabschiedet und sind nun bereit für die Verhandlungen mit dem Europäischen Parlament und der Europäischen Kommission.

Wachstum des E-Commerce in Europa

Die Rahmenbedingungen des E-Commerce in Europa entwickeln sich dynamisch. Laut dem europäischen E-Commerce-Bericht 2025, veröffentlicht von Ecommerce Europe und EuroCommerce, erlebte der Sektor 2024 ein Wachstum von 7 Prozent, mit einem Gesamtumsatz von 842 Milliarden Euro. Besonders auffällig ist, dass Osteuropa das höchste Wachstum mit 18 Prozent verzeichnete, während Westeuropa mit einem Wachstum von 6 Prozent unter dem Durchschnitt bleibt. Die Internetdurchdringung in Europa erreichte 93 Prozent, und 73 Prozent der Bevölkerung im Alter von 16–74 Jahren tätigten 2024 Online-Käufe, vor allem in Nord- und Westeuropa.

Diese Entwicklungen bringen sowohl Herausforderungen als auch Chancen für die Einzelhändler mit sich. Der Bericht betont, dass Nachhaltigkeit an strategischer Bedeutung gewinnt, und dass Einzelhändler in zirkuläre Modelle sowie umweltfreundliche Logistik und verantwortungsvolle Verpackungen investieren. Bedauerlicherweise bleibt die digitale Intensität bei kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) gering, da nur 6 Prozent die EU-Normen für „sehr hoch“ erreichen. Gleichzeitig wird auf die Notwendigkeit einer engeren Zusammenarbeit zwischen Industrie und politischen Entscheidungsträgern hingewiesen, um einen fairen und innovativen digitalen Binnenmarkt zu gewährleisten.

Insgesamt zeigt sich, dass sowohl der lokale Handel als auch die E-Commerce-Branche vor großen Herausforderungen, aber auch Chancen stehen, die es zu nutzen gilt.