Am 28. Dezember 2025 wird in Österreich der Tag der unschuldigen Kinder gefeiert. Dieser Brauch, auch bekannt als „Schappen“ in Kärnten, hat tiefe Wurzeln und verschiedene regionale Ausprägungen. In den Bundesländern wird er unterschiedlich benannt, zum Beispiel in der Steiermark als „Frisch und Gsund“ oder in Niederösterreich als „Frisch-und-Gsund-Schlagen“. In Wien wird der Tag meist privat oder in der Pfarrgemeinde begangen.

Die Tradition sieht vor, dass Kinder mit geflochtenen Weidenruten oder Tannenzweigen von Haus zu Haus ziehen. Dabei wünschen sie den Menschen Glück und Gesundheit für das kommende Jahr. Durch das Schlagen mit den Ruten symbolisieren sie die Lebenskraft der Natur und übertragen diese auf die Erwachsenen. So wird etwas von dieser Kraft „herbeigeschlagen“, um die Fruchtbarkeit und den Segen für das neue Jahr zu fördern.

Regional unterschiedliche Bräuche

Die Kinder verkünden verschiedene Sprüche, die je nach Region variieren. In Kärnten lautet einer der Sprüche: „Schapp, Schapp, frisch und gsund“. In der Steiermark wünschen die Kinder: „Frisch und gsund, frisch und gsund, lång lebn, gsund bleibn“. Auch humorvolle Drohungen wie „nix klunzn, nix klågn, bis i wieder kimm schlågn“ sind üblich. Für ihre Mühe erhalten die Kinder Süßigkeiten, Kletzenbrot oder Münzen als Belohnung.

Der Brauch endet traditionell nach dem Zwölfeläuten zu Mittag. Wer danach noch mit der Rute unterwegs ist, muss mit symbolischen Strafen rechnen. In Kärnten sowie im slowenischsprachigen Raum ist die Traditionsausübung teils Männern vorbehalten, die als Träger des Brauchs fungieren.

Historische Hintergründe

Der Brauch des Schappens erinnert an den Kindermord von Bethlehem, der im Matthäusevangelium geschildert wird. König Herodes ließ alle männlichen Kleinkinder in Bethlehem töten, um das Leben des neugeborenen Jesus zu beenden. Viele Historiker halten dieses Ereignis für fiktiv, doch es hat einen starken Platz in der christlichen Tradition eingenommen. Diese Gräueltat wird in den Kirchen als Fest der unschuldigen Kinder gefeiert, die als Märtyrer angesehen werden.

Die Geschichtserzählung vom Kindermord hat in der Kunst zahlreiche Darstellungen gefunden, unter anderem von Künstlern wie Rubens und Bruegel. Rubens‘ berühmt gewordene Malerei „Das Massaker der Unschuldigen“ wurde 2002 für 76,7 Millionen US-Dollar versteigert. Diese Gemälde unterstreichen die Tragik der Geschichte und den historischen Kontext, auf den der Brauch Bezug nimmt.

Insgesamt zeigt der Tag der unschuldigen Kinder in Österreich nicht nur eine lebendige Tradition, sondern verbindet auch kulturelle, historische und religiöse Aspekte, die über Generationen hinweg weitergegeben werden.