Ab dem 1. Jänner 2026 wird in Österreich die Pflege als Schwerarbeit anerkannt. Dies ermöglicht Pflegekräften, bereits mit 60 Jahren in Pension zu gehen. Die Regelung ist Teil eines Regierungsprogramms, das von der ÖVP, SPÖ und NEOS entwickelt wurde, mit dem Ziel, die Belastungen für Pflegekräfte zu reduzieren und den Beruf attraktiver zu gestalten. Gesundheits- und Sozialministerin Korinna Schumann bei einer Pressekonferenz, betonte die Signifikanz dieser Reform, die die Anerkennung physischer und psychischer Belastungen im Pflegeberuf signifikant verbessern soll. In Anlehnung an Berichte von 5min rechnet das Sozialministerium mit rund 1.000 früheren Pensionierungen pro Jahr, was jedoch potenziell in anderen Bereichen zu Schwierigkeiten führen könnte.

Die neuen Ansprüche an die Schwerarbeitspension beinhalten, dass Pflegekräfte mindestens 45 Versicherungsjahre sowie 120 Schwerarbeitsmonate innerhalb der letzten 20 Jahre nachweisen müssen. Weitere Kriterien sind, dass sie bei Pensionsantritt nicht in der Pensionsversicherung pflichtversichert und ihr Einkommen unterhalb der Geringfügigkeitsgrenze liegen muss. Die genauen Voraussetzungen sind klar definiert und sollen eine umfassende Rahmenbedingungen schaffen, die die Attraktivität des Pflegeberufs steigern. Zudem ist im Budget ein Betrag von 40 Millionen Euro für die Umsetzung dieser Regelung eingeplant, wie ORF berichtet.

Reaktionen aus dem Gesundheitssektor

Die Reaktionen auf die bevorstehende Regelung fallen überwiegend positiv aus. Die KABEG in Kärnten meldet lediglich eine „unmerkliche“ Zunahme an Pensionsanträgen und sieht keine besonderen Schwierigkeiten auf die Einrichtungen zukommen. Auch der Gesundheitsverband in Wien erwartet durch positive Bewerberlagen keine Engpässe. „Die Voraussetzungen für die Schwerarbeitspension erfordern eine lange Versicherungsdauer, weshalb wir keine negativen Auswirkungen sehen“, fügt KAGes in der Steiermark hinzu.

In den Kliniken der Gesundheit Burgenland sind die Pflegeplätze derzeit „voll besetzt“, was darauf hinweist, dass akuter Handlungsbedarf im Pflegepersonal momentan ausbleibt. Die Niederösterreichische Landesgesundheitsagentur arbeitet an Modellen, die es ermöglichen sollen, Mitarbeiter im Beruf zu halten, wie zum Beispiel durch das „Leben-Modell“. In Vorarlberg gibt es vereinzelt Anfragen, doch auch die Tirol Kliniken können laut Aussage der Geschäftsführer Abgänge problemlos kompensieren. Diese positive Einstellung zur neuen Regelung könnte die allgemeine Sorge um Fachkräftemangel lindern.

Anerkennung der Belastungen im Pflegeberuf

Insgesamt hat die Reform das Ziel, die physischen und psychischen Belastungen von Pflegekräften gesetzlich anzuerkennen. So berichten 60% der Pflegekräfte von psychischen Belastungen, während 48% Rückenschmerzen angeben. Die bisher verankerten Kriterien für Schwerarbeit werden zudem objektiviert; zukünftig werden schlimmstenfalls die geleisteten Stunden anstelle der Arbeitstage berücksichtigt. Dies spiegelt die Forderungen wider, die von Gewerkschaften und der Arbeiterkammer unterstützt werden, um eine adäquate Wertschätzung und Anerkennung der Pflegeberufe zu gewährleisten.

Allerdings gibt es auch kritische Stimmen. Die Opposition bezeichnet die neuen Regelungen als „Mogelpackung“ und befürchtet, dass die Anforderungen viele Pflegekräfte abschrecken könnten. Die Jungen Industrie fordert darüber hinaus eine Diskussion über mögliche Einsparungen im Pensionssystem anstelle von zusätzlichen Frühpensionsmöglichkeiten. Dennoch bleibt abzuwarten, wie sich die Entwicklungen im Pflegebereich konkret auswirken werden, nachdem die neuen Regelungen am 1. Jänner 2026 in Kraft treten.