Ein ehemaliges Häftlingsbordell des KZ Gusen, das in der Zeit des Nationalsozialismus errichtet wurde, steht zum Verkauf auf einer Internetplattform. Das denkmalgeschützte Gebäude im Bezirk Perg richtet sich an potenzielle Käufer, die Interesse an historisch bedeutsamen Immobilien haben. Laut vol.at bestätigte eine Sprecherin der KZ-Gedenkstätte Mauthausen, dass man erst vergangene Woche von dem Verkaufsangebot erfahren hat.

In der letzten Woche wurde außerdem eine Erweiterung der Gedenkstätte Gusen präsentiert, in der das Bordell nicht enthalten ist. Unklar bleibt, ob die Republik Österreich am Erwerb des Gebäudes interessiert ist. Barbara Glück, die Direktorin der KZ-Gedenkstätte Mauthausen, hat angedeutet, dass die neuen Entwicklungen gemeinsam mit Historikern, Überlebensverbänden, dem Innenministerium und Anrainern in Gusen diskutiert werden sollen. Die Neugestaltung der Gedenkstätte soll einen würdigeren Umgang mit der tragischen Geschichte des Ortes gewährleisten.

Die Geschichte des Häftlingsbordells

Das Häftlingsbordell wurde 1942 eingerichtet und beschäftigte etwa zehn Frauen, die aus dem Frauenkonzentrationslager Ravensbrück zur Zwangsprostitution gezwungen wurden. Ihr Schicksal ist Teil einer widerwärtigen Praxis der SS, die durch „Gewährung von Vergünstigungen“ einen Leistungsanreiz für männliche Häftlinge schaffen wollte. Der Besuch des Bordells war nur bestimmten Häftlingen gestattet, die ein formelles Gesuch stellen und eine Gebühr entrichten mussten. Diese Gebühr konnte nur von den Häftlingen aufgebracht werden, die für ihre Arbeit in der Rüstungsindustrie Prämien erhielten. Damit wird ein deutlicher Widerspruch zwischen der staatlichen Errichtung von Bordellen und der strafrechtlichen Verfolgung von Prostitution im Dritten Reich deutlich, wie auch n-tv betont.

Insgesamt waren im KZ Gusen, das zwischen 1939 und 1945 als Außenlager von Mauthausen fungierte, etwa 71.000 Menschen inhaftiert. Von diesen starben rund die Hälfte, was das Lager zu einem Ort größter Grausamkeit und inhumaner Bedingungen macht. Laut dem Mauthausen Memorial war Gusen bekannt für die härtesten Haftbedingungen und die höchste Todesrate unter den KZ-Lagern.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde das Lager abgetragen und Wohnhäuser errichtet, doch die Erinnerungen an die Gräueltaten bleiben bis heute. Mit der geplanten Neugestaltung der Gedenkstätte Gusen soll die Geschichte auf angemessene Weise reflektiert und gewürdigt werden, um den Opfern und den Überlebenden angemessen zu gedenken.