In den letzten Monaten hat das Thema Jugendschutz in sozialen Medien an Bedeutung gewonnen. Der australische Schritt, ein umfassendes Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige einzuführen, könnte als Beispiel für andere Länder dienen. In Europa wächst der Druck, klare Regeln zum Schutz junger Menschen auf digitalen Plattformen zu entwickeln. Medienminister und Vizekanzler Andreas Babler, Staatssekretärin für Gesundheit Ulrike Königsberger-Ludwig und Staatssekretär für Verfassungsschutz Jörg Leichtfried setzen sich aktiv für mehr Schutz für Jugendliche in sozialen Medien ein. Babler hat im Juni eine Initiative auf europäischer Ebene gestartet, der sich zahlreiche EU-Staaten angeschlossen haben.

Aktuelle Umfragen zeigen, dass eine Mehrheit der EU-Länder ein Mindestalter für die Nutzung von algorithmusgesteuerten Online-Plattformen befürwortet. Die Präsidentin der Europäischen Kommission und das EU-Parlament unterstützen den Vorschlag für ein digitales Jugendschutzalter. Die EU-Kommission arbeitet an einer datenschutzkonformen Ausgestaltung der Altersfeststellung, allerdings liegt bislang kein nachhaltiges Gesamtkonzept für den Jugendschutz vor. Babler fordert die EU-Kommission auf, einen konkreten Gesetzesvorschlag vorzulegen.

Gesundheitliche Risiken für Jugendliche

Die Gefahren für die körperliche und mentale Gesundheit von Kindern und Jugendlichen sind nicht zu vernachlässigen. Gesundheitsstaatssekretärin Königsberger-Ludwig betont, dass übermäßige Social-Media-Nutzung zu gravierenden gesundheitlichen Folgen führen kann. Studien haben gezeigt, dass 68% der Schülerinnen und 60% der Schüler Symptome von Social-Media-Sucht zeigen. Insbesondere Mädchen nutzen soziale Medien intensiver, wobei 44% der Mädchen und 32% der Burschen von übermäßiger Nutzung betroffen sind.

Interaktive Medien bergen zudem Risiken wie Gewalt, Grooming und Extremismus. Eine Petition fordert daher ein Verbot sozialer Medien für unter 16-Jährige, und der Bundestag plant eine Beratung zu diesem Thema. Landespolitische Initiativen, wie die der CDU in Schleswig-Holstein, zeigen, dass auch in Deutschland das Thema Aufmerksamkeit erhält.

Altersgrenze und Medienkompetenz

Die Diskussion um die Einführung einer Altersgrenze für die Nutzung sozialer Medien spiegelt die gesamtgesellschaftlichen Bedenken wider. Der Deutsche Lehrerverband hat jedoch Bedenken hinsichtlich der Realisierbarkeit eines solchen Verbots. Die mediale Kompetenz der Jugendlichen wird als notwendig erachtet, um eine sichere Nutzung digitaler Medien zu gewährleisten. Der Medienpädagoge Prof. Hendrik Streeck fordert Altersgrenzen, stößt jedoch auf Widerspruch von verschiedenen Seiten, inklusive Organisationen wie dem Kinderschutzbund.

Empfehlungen der nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina umfassen eine altersgerechte Gestaltung sozialer Medien sowie die Unterbindung von suchterzeugenden Funktionen. Die Organisation zeigt sich besorgt über die Zunahme jüngerer Nutzer, da etwa 71% der 12- bis 13-Jährigen bereits soziale Netzwerke wie TikTok nutzen.

Angesichts dieser Entwicklungen wird deutlich, dass entscheidende Schritte hin zu einem verbesserten Jugendschutz in sozialen Medien notwendig sind, um die Risiken zu minimieren und die Potenziale auf sichere Weise zu nutzen. Örtliche und europäische politische Maßnahmen stehen dabei im Fokus der öffentlichen Debatte.