Die Zukunft der Atomkraft in Frankreich steht vor Herausforderungen, wie sich aus aktuellen Berichten über das EPR2-Programm von EDF (Électricité de France) ergibt. Laut oekonews wird das neue Reaktordesign ERP2 bis mindestens 2038 nicht verfügbar sein. Dies wurde durch die Kritik des französischen Rechnungshofs im Jahr 2023 untermauert, welcher feststellt, dass die Probleme mit dem Reaktordesign weiterhin ungelöst sind.
Insgesamt plant EDF den Bau von sechs neuen EPR2-Atomkraftwerken in Frankreich, insbesondere in Penly, Gravelines und Bugey. Die ersten Inbetriebnahmedaten wurden jedoch deutlich nach hinten verschoben. Die Inbetriebnahme des ersten Reaktors in Penly ist nun frühestens für 2038 vorgesehen, was eine erhebliche Verzögerung darstellt, da ursprünglich frühere Zeitrahmen angedacht waren. Dieses Bild wird durch die IWR weiter verstärkt, die darauf hinweist, dass die endgültige Investitionsentscheidung erst 2026 getroffen werden soll.
Kostenexplosion und Finanzierung
Die Baukosten für das EPR2-Programm haben sich dramatisch erhöht. Ursprüngliche Schätzungen von 51,7 Milliarden Euro im Jahr 2020 wurden auf 67,4 Milliarden Euro im Jahr 2023 revidiert und belaufen sich nun auf geschätzte 79,9 Milliarden Euro. EDF geht davon aus, dass die Kosten für den sechsten Reaktor sogar die Marke von 100 Milliarden Euro überschreiten werden. Diese Entwicklungen werfen Fragen zur Finanzierbarkeit auf, da die Finanzierung der neuen Atomkraftwerke hauptsächlich durch Steuergelder der französischen Bevölkerung erfolgt, was auch von World Nuclear News bestätigt wird.
Zusätzlich plant die französische Regierung Subventionen, um die Kosten zu decken. Ein Budget von 2,7 Milliarden Euro für 2026 wurde genehmigt, und es sollen subventionierte Darlehen für mindestens 50 % der Baukosten bereitgestellt werden. Ein sogenannter Contract-for-Difference garantiert eine Mindestvergütung für den erzeugten Atomstrom, wobei noch unklar ist, wie hoch diese für die zukünftigen Erzeugerpreise sein wird.
Technologische Herausforderungen
Die technische Reife des EPR2-Programms hat laut dem französischen Rechnungshof ebenfalls Anlass zur Sorge gegeben, da die technischen Probleme ungelöst bleiben. Experten und Analysten befürchten, dass weitere Verzögerungen und Kostensteigerungen bevorstehen könnten, was die bereits angespannte Situation für EDF zusätzlich erschwert.
Aktuell ist der französische Staat stark involviert, um die Bau- und Betriebskosten zu subventionieren und durch verschiedene Maßnahmen die finanziellen Risiken abzufedern. Unter diesen Umständen bekräftigt EDF sein Engagement, die Fristen und Kosten zu kontrollieren, um die nationale Energie- und Industriesouveränität zu wahren.
Insgesamt zeigt die Situation rund um das EPR2-Programm, dass die atomare Zukunft Frankreichs auf der Kippe steht. Die Herausforderungen sind sowohl finanzieller als auch technischer Natur, und die kommenden Jahre werden entscheidend sein für die weitere Entwicklung der Atomkraft in Frankreich.