Das Deutsche Schauspielhaus in Hamburg hat sich für die Verwendung von Blackfacing-Darstellungen während seiner Jubiläumsfeier entschuldigt. Diese Feier fand am vergangenen Wochenende anlässlich des 125-jährigen Bestehens des Theaters statt. Intendantin Karin Beier bezeichnete die Präsentation der umstrittenen Aufnahmen als „schwerwiegende Fehler“.
Die Feier bot den Besuchern eine Zeitreise durch die Geschichte des Theaters, in deren Rahmen auch Ausschnitte aus früheren Inszenierungen gezeigt wurden. Darunter waren „Othello“-Aufführungen von Peter Zadek aus dem Jahr 1976 und von Stefan Pucher aus 2004, in denen weiße Schauspieler mit dunkel geschminkten Gesichtern auftraten. Diese Praxis, bekannt als Blackfacing, gilt heute als rassistisch und hat ihre Wurzeln in den diskriminierenden Minstrel Shows des 18. und 19. Jahrhunderts in den USA.
Reaktionen auf die Präsentation
Die Aufführungen wurden ohne zusätzlichen Kommentar gezeigt, was zu einer Welle der Kritik führte. Kulturschaffende äußerten in einem offenen Brief ihre Entrüstung über die gezeigten Aufnahmen und bezeichneten das Vorgehen als „geschmacklos bis fatal“. Die Präsentation half nicht dabei, eine kritische Auseinandersetzung mit dem Thema Blackfacing zu ermöglichen. Beispielsweise räumte Beier in einem sozialen Medienbeitrag zwei gravierende Fehler ein: Die Fotos seien nicht angemessen kontextualisiert worden, und die Reaktion auf die Kritik sei „oberflächlich und unzureichend“ gewesen.
Die Intendantin äußerte ihr Bedauern über das entstandene Unrecht und die Verletzungen, die durch die Präsentation verursacht wurden. Besonders betonte sie, dass das Theater sich bei den Menschen entschuldigen möchte, die durch die Darstellung verletzt wurden, insbesondere bei Schwarzen Menschen und People of Color.
Der Weg nach vorne
Das Deutsche Schauspielhaus hat angekündigt, Maßnahmen zu ergreifen, um das verlorene Vertrauen zurückzugewinnen. Beier betonte, dass die Vorfälle im Widerspruch zu dem Selbstverständnis des Theaters stehen, das sich der Antidiskriminierung verpflichtet fühlt. Künftig soll mehr Wert auf die kritische Auseinandersetzung mit historischen Darstellungen gelegt werden, um derartige Fehler zu vermeiden.
Die Entschuldigung und die öffentliche Diskussion über Blackfacing reflektieren breitere gesellschaftliche Themen und das wachsende Bewusstsein um Rassismus und Diskriminierung im Kulturbereich. Das Deutsche Schauspielhaus steht somit vor der Herausforderung, nicht nur sein Publikum, sondern auch die eigene Identität neu zu definieren.
Nähere Informationen zum Vorfall sowie zur Stellungnahme des Theaters sind auf den Seiten von vienna.at und mopo.de zu finden.