Interpol hat im Rahmen einer umfassenden Operation, die von Juni bis November 2025 durchgeführt wurde, 85 internationale Top-Fahndungsziele festgenommen. Diese Aktionen, die mit Strafverfolgungsbehörden aus 17 Ländern koordiniert wurden, zielen auf die Bekämpfung organisierter Kriminalität, die zunehmend auf digitale Kanäle verlagert wird. Die Aktion deckte eine Vielzahl schwerer Verbrechen auf, darunter Mord, Drogenhandel und Kinderschändung. Zudem wird eine Festgenommene in Spanien beschuldigt, 150 Millionen US-Dollar durch betrügerische Krypto-Geschäfte gewaschen zu haben, mutmaßlich im Auftrag der kriminellen Organisation Tren de Aragua. Darüber hinaus wurde ein mutmaßliches Mitglied der brasilianischen Organisation Primeiro Comando da Capital (PCC) in Portugal festgenommen.

Die Ermittlungen zeigen, wie sich organisierte Kriminalität in den letzten Jahren gewandelt hat. Ein Bericht von Europol weist darauf hin, dass kriminelle Netzwerke, insbesondere während der Covid-19-Pandemie, innovative Methoden entwickelt haben. Diese Entwicklungen ermöglichen es den Kriminellen, ihre illegalen Aktivitäten über digitale Plattformen auszuweiten. Die Pandemie führte zwar zu kurzfristigen Unterbrechungen in illegalen Handelsströmen, doch auch zu neuen Geschäftspraktiken, insbesondere im Drogen- und Cyberhandel.

Umfangreiche Festnahmen und ihre Bedeutung

Die Festnahmen betreffen schwere Straftaten. Insgesamt wurden:

  • 19 Personen wegen Mordes
  • 29 Personen wegen Drogenhandels
  • 28 Personen wegen Straftaten gegen Kinder
  • 7 Personen wegen Vergewaltigung
  • Weitere Verdächtige aufgrund von Menschenhandel und Geldwäsche

Zusätzlich wurden 18 weitere Verdächtige lokalisiert, deren Festnahme bevorsteht. Interpol unterstützte die beteiligten Behörden dabei mit Cybercrime-Analysen und forensischem Know-how. Dieses Vorgehen steht im Einklang mit einem EU-finanzierten Projekt, das die internationale Zusammenarbeit zur Bekämpfung organisierter Kriminalität fördern soll. Die Zusammenarbeit auf internationaler Ebene ist besonders wichtig, da die Bedrohung durch organisierte Kriminalität in Europa stark zugenommen hat, was durch einen Anstieg des Kokainhandels und der damit verbundenen Konkurrenz auf den Märkten gekennzeichnet ist.

Wie die EU-Sicherheitsstrategie 2025 feststellt, wird die organisierte Kriminalität zunehmend als zentrale Bedrohung wahrgenommen, nicht mehr als ein beherrschbares Problem. Die steigende Gewalt und die Konkurrenz auf dem europäischen Kokainmarkt, insbesondere in Ländern wie Belgien, Frankreich und Spanien, verdeutlichen diese Entwicklung. Kriminelle Netzwerke nutzen nun zunehmend digitale Plattformen, was zu einem höheren Zugang zu illegalen Märkten und einer „Demokratisierung“ der Kriminalität führt.

Ein Blick in die Zukunft

Um der Bedrohung durch organisierte Kriminalität wirksam zu begegnen, ist eine verstärkte internationale Zusammenarbeit notwendig. Die Europäische Kommission plant Reformen zur Bekämpfung dieser Art der Kriminalität und hebt die Notwendigkeit hervor, die Resilienz der Ursprungsländer gegen kriminelle Akteure zu erhöhen. Die aktuelle Operation von Interpol stellt einen bedeutenden Schritt in diese Richtung dar und verdeutlicht die Dringlichkeit, mit der internationale Organisationen und nationale Behörden zusammenarbeiten müssen, um diese komplexen Herausforderungen zu bewältigen.

Für weitere Informationen besuchen Sie die Artikel von Vienna.at, Tagesspiegel und SWP Berlin.